Die Glasfenster

Die vier Glasfenster im Chor wurden 1957/58 von Robert Schär geschaffen. Zuoberst im Kreis sind die Namen der vier Evangelisten mit ihren Symbolen zu lesen: Matthäus (Menschengestalt mit Flügeln), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler). Das Matthäusfenster zeigt (von unten nach oben) Adam und Eva, die Vertreibung aus dem Garten Eden, den Noah-Bund, Mose mit den Zehn Geboten, den Propheten Jesaia, der die Geburt des Kindes ankündigt, und die Geburt Jesu. Im Markusfenster sind Geschichten aus dem Leben Jesu zu sehen, unter anderem die Kreuzigung (der römische Hauptmann zeigt auf den Gekreuzigten mit den Worten «Dieser ist wahrhaftig Gottes Sohn gewesen») und die Engel am Grab, die die Auferstehung verkünden. Das Lukasfenster ist Erzählungen aus der Apostelgeschichte gewidmet, unter anderem der Steinigung des Stephanus, dem Apostel Paulus, der Taufe des Kämmerers aus Äthiopien und dem Pfingstfest in Jerusalem. Das Johannesfenster zeigt Bilder und Symbole aus der Apokalypse des Johannes.

In den Fenstern an der Südwand des Kirchenschiffs sind alte Wappenscheiben aus dem 16., 17. und 19. Jahrhundert eingesetzt. Sie zeigen die Wappen von regierenden Familien im alten Bern (Stürler, Daxelhofer, von Steiger, von Bonstetten, Frisching) sowie des Dekans J.H. Hummel. Zum Teil wurden sie zur Wiedereröffnung der Kirche 1566 gestiftet. Besonders schöne Glasscheiben befinden sich im Taufzimmer. In der grossen Standesscheibe von 1668 sind weniger die grimmigen Löwen, die das Berner Wappen präsentieren, beachtenswert, als vielmehr die hübsche Musikszene mit König David und vier weiteren Musikanten, die auf Instrumenten des 17. Jahrhunderts (Posaune, Zink, Pauke, Harfe, Laute) spielen. Rechts davon zeigt eine kleine, runde, wahrscheinlich aus derselben Zeit stammende Scheibe eine Allegorie über Alter und Tod: eine Hand aus den Wolken schneidet den Lebensfaden eines alten Mannes ab. Darüber das Spruchband: VERA PHILOSOPHIA EST MEDITATIO MORTIS – Die wahre Philosophie ist die Betrachtung des Todes.

Die vier Chorfenster

Den vier Chorfenster kommt eine besondere Bedeutung zu. Eine Erklärung mit den zugehörigen Bibelstellen ist hier aufgelistet.

Matthäusfenster

17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um die Thora (Gesetz) und die Propheten aufzuheben. 18 Amen, das sage ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe der Thora vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. 19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird gross sein im Himmelreich. (…) 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; und wer zu seinem Bruder sagt: Du Dummkopf!, soll dem Spruch des Hohen Rates verfallen sein; wer aber zu ihm sagt: Du (gottloser) Narr!, soll dem Feuer der Hölle verfallen sein. 23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. 25 Schliess ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und du wirst ins Gefängnis geworfen. 26 Amen, das sage ich dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast. (Mt. 5, 17–26)

Markusfenster

45 Gleich darauf forderte er seine Jünger auf, ins Boot zu steigen und ans andere Ufer nach Betsaida vorauszufahren. 46 Nachdem er sich von ihnen verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. 47 Spät am Abend war das Boot mitten auf dem See, er aber war allein an Land. 48 Und er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache ging er auf dem See zu ihnen hin, wollte aber an ihnen vorübergehen. 49 Als sie ihn über den See gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf. 50 Alle sahen ihn und erschraken. Doch er begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 51 Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich. Sie aber waren bestürzt und ausser sich. 52 Denn sie waren nicht zur Einsicht gekommen, als das mit den Broten geschah; ihr Herz war verstockt. (Markus 6, 45 –52)

Robert Schär hat die Ergänzung bei Matthäus (14, 28 –31) dazu genommen:
Matthäus 14, 28 Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf demWasser zu dir komme. 29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. 30 Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! 31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Lukasfenster

1 Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohepriester 2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen. 3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. 4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: «Saul, Saul, warum verfolgst du mich?» 5 Er antwortete: «Wer bist du, Herr?» Dieser sagte: «Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.» (…) 8 Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 9 Und er war drei Tage blind und er ass nicht und trank nicht. 10 In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Ihn schickte der Herr zu Saulus,um ihm die Hände aufzulegen, so dass er wieder sehen konnte. 13 Doch Hananias wollte zuerst nicht, da er gehört hatte, wie viel Böses dieser Mann den Heiligen in Jerusalem angetan hatte. 15 Der Herr aber sprach zu ihm: «Geh nur! Denn dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. 16 Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für meinen Namen leiden muss.» (Apg. 9, 1 –16)

Johannesfenster

1 Dann erschien ein grosses Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füssen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. 2 Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. 3 Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, gross und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. 4 Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. 5 Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. 6 Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang. 7 Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und eine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, 8 aber sie konnten sich nicht halten und sie verloren ihren Platz im Himmel. 9 Er wurde gestürzt, der grosse Drache, die alte Schlange, die Teufel oder Satan heisst und die ganze Welt verführt; der Drache wurde auf die Erde gestürzt und mit ihm wurden seine Engel hinabgeworfen. (Apk. 12, 1 – 9)

Skizze der Chorfenster mit Erklärung